Balkonkraftwerk: Die 10 häufigsten Fragen meiner Leser – und die ehrlichen Antworten

Balkonkraftwerk: Die 10 häufigsten Fragen meiner Leser

Ich habe in meiner Story auf Instagram darüber berichtet, dass wir uns für den Kauf eines Balkonkraftwerkes interessieren. Parallel habe ich meine Leser gefragt, ob sie Fragen zu diesem Thema haben. Da ich zahlreiche interessierte Nachrichten erhalten habe, möchte ich heute mal die Antworten auf die 10 häufigsten Fragen zum Thema Balkonkraftwerk zusammenfassen. Am Ende des Beitrags erfahrt ihr dann, ob wir uns für oder gegen ein Balkonkraftwerk als Ergänzung zur PV-Anlage auf dem Dach entschieden haben.

 

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Frage #1: Was ist ein Balkonkraftwerk und wie funktioniert es?

Ein Balkonkraftwerk ist eine kleine Photovoltaikanlage, die Strom aus Sonnenlicht herstellt. Konkret funktioniert das so: Die Solarmodule des Balkonkraftwerks wandeln Sonnenlicht in Gleichstrom um. Der Wechselrichter (= ein kleines Gerät, das zwischen den Solarzellen und der Steckdose sitzt) wandelt diesen Gleichstrom anschließend in Wechselstrom um und leitet ihn über einen ganz normalen Stecker (z.B. eine Außensteckdose) ins Haus bzw. in die Wohnung.

 

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Frage #2: Wie viel Geld spart man mit einem 800 w Balkonkraftwerk?

Diese Frage wurde mit Abstand am häufigsten gestellt. Die Antwort darauf, wie viel Geld man mit einem 800 w Balkonkraftwerk sparen kann, hängt von drei Faktoren ab:

  1. Den Sonnenstunden an eurem Wohnort
  2. Der Ausrichtung der Solarmodule (Südseite? Winkel?)
  3. Gibt es Schatten?

 

Realistische Werte für Deutschland:

Wenn ihr die Anlage optimal ausrichtet – also: In Richtung Süden, mit einer Neigung von 30 – 45 Grad – könnt ihr mit einem Jahresertrag von ca.600 – 950 kWh rechnen. In Süddeutschland eher mehr, in Norddeutschland eher weniger. Bei einem Strompreis von 30 Cent pro kWh und maximalem Eigenverbrauch ergibt das eine maximale rechnerische Ersparnis von bis zu  180–285 Euro pro Jahr bei Anschaffungskosten von ca. 200–300 Euro (+ Montagematerial). Über die gesamte Lebensdauer der Anlage von 20–25 Jahren summiert sich das theoretisch auf bis zu  4.000–7.000 Euro.

Wichtig: Diese Werte beziehen sich auf eine vollständige Nutzung der selbst produzierten 800 W. Das ist ohne Speicher kaum schaffbar. Realistisch ist aus meiner Sicht eine Eigenverbrauchsquote von 70–90 % (wenn tagsüber die Grundlast übernommen wird + einzelne Großverbraucher) Das sind etwa 450–800 kWh Eigenverbrauch pro Jahr. Bei einem Strompreis von 30 Cent pro kWh spart ihr also tatsächlich 135 – 240 € bzw. langfristig 2700 – 6000 €. Immer noch ein sehr guter Wert!

Gut zu wissen: Wer die Anlage nach Osten oder Westen ausrichtet, muss mit etwa 20 – 30 Prozent weniger Ertrag rechnen. Eine Verschattung durch Bäume, Geländer oder Nachbargebäude kann den Ertrag außerdem deutlich drücken.

Den zu erwartenden Ertrag für euren Standort und eure ideale Ausrichtung könnt ihr übrigens kostenlos mit dem PVGIS-Rechner ermitteln. Gebt zunächst links euren Standort ein. Zieht den „Kompass“ auf die Stelle, an der ihr die Solarmodule aufstellen möchtet, um die Himmelsrichtung abzulesen. Wählt dann rechts z.B. Montage auf Flachdach und gebt für ein 800 w Balkonkraftwerk 0,8 kWp als Spitzenleistung ein. Durchschnittswerte für Abschnitt 1: Leistung = 0,8 kWp, Neigung: 30 Grad (=aufgestellt auf Flachdach) oder 90 Grad (= senkrecht an Balkonbrüstung montiert). Azimut (Himmelsrichtung): z.B. S = Süden bzw. SSW = Süd-Süd-West (siehe „Kompass“ links auf der Website). Bei uns ergab die Berechnung einen Wert von 912,72 kWh bei einer optimalen Neigung von 39 Grad. Eine Neigung von 90 Grad reduziert den Ertrag auf 634,25 kWh. Es ist also SEHR sinnvoll, nach Möglichkeit die korrekte Neigung zu wählen.

Eine weitere Möglichkeiten zur Optimierung des Etrags: Wählt hochwertige Solarmodule, also: Bifaziale N-Typ Solarmodule.  Durch das reflektierte Licht auf der Rückseite  (helle Wand, heller Boden, Flachdach) werden realistisch 8–12 % zusätzlich erzeugt..

 

Frage #3: Was leisten 800 W im Alltag wirklich?

Um einschätzen zu können, was ein 800 W Balkonkraftwerk im Alltag wirklich leistet, habe ich mir mal den durchschnittlichen Grundverbrauch angeschaut. Dieser beinhaltet Geräte wie: Den Kühlschrank, alle Standby-Geräte, Router etc. und beträgt ca. 200–400 W. Das heißt: An einem sonnigen Tag ist euer Balkonkraftwerk in der Lage, den Grundbetrieb komplett zu übernehmen. Ihr müsst also keinen Netzstrom beziehen.

Das ändert sich, sobald energiehungrige Geräte wie der Herd, der Durchlauferhitzer, eure Waschmaschine oder euer Trockner ins Spiel kommen. Diese ziehen 1.500 – 3000 W und somit deutlich mehr, als euer Balkonkraftwerk produziert. Die Solarmodule decken nun weiterhin den Grundverbrauch und einen Teil des zusätzlich benötigten Stroms ab. Das bedeutet: Ihr müsst nur noch die Differenz zwischen den produzierten 800 W und dem tatsächlichen Verbrauch aus dem Netz beziehen und spart weiterhin Geld.

Gut zu wissen: Ohne einen Speicher ist es sehr sinnvoll, Stromfresser dann zu nutzen, wenn die Sonne scheint. Falls ihr tagsüber nicht zu Hause seid, könnt ihr Zeitschaltuhren oder Timer-Funktionen nutzen, um den Stromverbrauch für die Waschmaschine, Spülmaschine, den Trockner etc. zu optimieren. Um möglichst viel selbstproduzierten Strom zu verwenden, ist es sinnvoll, diese Geräte nicht parallel, sondern nacheinander laufen lassen!

 

 

Frage #4: Und wann rechnet sich ein Balkonkraftwerk konkret?

Das hängt vom Strompreis, der Sonneneinstrahlung an eurem Standort und eurem Eigenverbrauch ab. Eine realistische Rechnung für Deutschland: Ein 800-W-Balkonkraftwerk (Südseite) mit zwei 500-W-Modulen ( und 800 W Wechselrichter) erzeugt je nach Standort und Ausrichtung etwa 600–950 kWh pro Jahr. Bei 70–90 % Eigenverbrauchsquote  sind das etwa 450–800 kWh Eigenverbrauch pro Jahr. Bei einem Strompreis von 30 Cent pro kWh spart ihr also 135 – 240 €. 

Grundsätzlich lohnt sich ein hochwertiges aber günstiges Balkonkraftwerk mit einem Preis von unter 300 € aus meiner Sicht somit fast immer. 

Eine Südost- bis Südwest-Ausrichtung lohnt sich klar, eine Ost- und West-Ausrichtung (ca. -20-30%) lohnen sich in den meisten Fällen noch. Nur bei einem nach Norden ausgerichteten Balkon / Garage / Garten würde ich auf eine Anschaffung verzichten.

 

 

Frage #5: Darf man ein Balkonkraftwerk selbst installieren und anschließen?

Balkonkraftwerke sind als Plug-and-Play-Systeme konzipiert. Das heißt: Aufstellen, Kabel anschließen, Stecker in die Steckdose, fertig. Eine Halterung ist normalerweise nicht im Lieferumfang enthalten und muss separat besorgt werden. Auf Balkonen werden die Module an der Brüstung oder am Geländer befestigt.

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Beachten solltet ihr, dass ein 500-W-Modul je nach Modell ca. 20–25 kg wiegt. Zwei Module wiegen zusammen also 40–50 kg. Die Halterung und der Befestigungspunkt müssen das sicher tragen können. Bei Geländern aus Glas oder dünnem Metall müsst ihr vorher unbedingt prüfen, ob sie dafür geeignet sind. Außerdem muss die Standsicherheit gewährleistet werden. Module wirken bei starkem Wind wie ein Segel. Eine unsicher befestigte Anlage kann sich lösen und im schlimmsten Fall auf die Straße fallen.

Ein Elektriker ist nicht nötig, solange ihr eine normale (Schuko-) Steckdose nutzt, um die Solarmodule anzuschließen. Wer einen Smart Meter nachrüsten oder eine neue Außensteckdose installieren lassen möchte, braucht dafür einen Elektriker. Der Rest ist für Laien gut machbar.

 

Frage #6: Muss ich das Balkonkraftwerk anmelden?

Ja, im Marktstammdatenregister (MaStR) der Bundesnetzagentur. Dafür habt ihr nach der Inbetriebnahme einen Monat Zeit. Die Anmeldung ist kostenlos und in etwa 10 Minuten erledigt. Ihr gebt den Standort, die Modulleistung, Wechselrichterleistung, Zählernummer und das Inbetriebnahmedatum an. Fertig. Seit dem Solarpaket I (Mai 2024) informiert die Bundesnetzagentur den Netzbetreiber automatisch. Eine separate Anmeldung dort ist nicht mehr nötig.

Falls ihr zusätzlich einen Speicher betreiben möchtet: Diesen müsst ihr separat als Speicheranlage im MaStR eintragen. Das ist ebenfalls kostenlos und in wenigen Minuten erledigt. Anders als beim reinen Balkonkraftwerk kann beim Speicher zusätzlich eine Meldung beim Netzbetreiber erforderlich sein. Am besten fragt ihr diesbezüglich kurz beim eigenen Netzbetreiber nach.

Achtung: Wer die Anmeldung vergisst, begeht formell eine Ordnungswidrigkeit.

 

Frage #7: Lohnt es sich, einen Speicher zu kaufen?

Die Anschaffung eines Speichers solltet ihr euch gut überlegen, denn er verdoppelt oder verdreifacht die Anschaffungskosten und verlängert die Amortisationszeit (= die Zeit, bis sich die Anschaffung rechnet) entsprechend. Ein Speicher kann dennoch Sinn ergeben, wenn:

  • Ihr tagsüber kaum zu Hause seid und der erzeugte Strom sonst ungenutzt und ohne Vergütung ins Netz fließen würde
  • Wenn ihr auch abends selbst produzierten Strom nutzen möchtet
  • Wenn ihr durch den Speicher im Falle eines Stromausfalls / Blackouts weiterhin Strom beziehen möchtet. Dies ist nämlich mit einfachen Solarmodulen nicht möglich(!). Dazu gleich mehr.

 

Frage #8: Checkliste: Worauf sollte man beim Kauf eines Balkonkraftwerks achten?

Ich würde beim Kauf auf folgende Punkte achten:

  • Markenprodukt mit mindestens 25 Jahre Leistungsgarantie und 10–12 Jahre Produktgarantie
  • Solarmodul-Typ: N-Typ bifazial = besser bei Schwachlicht und langlebiger als älterer P-Typ.*
  • Leistung: 800 W Wechselrichter-Grenze (-> mehr Modulleistung, also z.B. 2 x 500 W ist erlaubt und sinnvoll, um die 800 W länger zu produzieren oder einen Speicher zu laden, es darf nur nie mehr als 800 W ins Haus geladen werden).
  • Wechselrichter-Wirkungsgrad: mind. 93 %
  • Deutscher Hersteller bzw. Support
  • Abgestimmte Komponenten inkl. App?
  • Lässt sich das System bei Bedarf erweitern?
  • Reicht die Kabellänge?
  • Falls ihr euch für ein Modell mit Speicher entscheidet: Hat der Wechselrichter 4 MPPT-Eingänge? Jedes der 4 Module hat dann eigenen Regler, der es immer auf seinem persönlichen Leistungsmaximum hält, und zwar völlig unabhängig von den anderen Modulen. Ist das nicht der Fall, wirkt sich z.B. ein Schatten auf einem  Modul auch auf verbundene Module aus.

 

*Bifazial bedeutet, dass das Modul auf beiden Seiten Strom erzeugt. Die Vorderseite nutzt direktes Sonnenlicht, die Rückseite reflektiertes Licht von Wand, Boden oder einer hellen Fläche dahinter. Realistisch sind dadurch 5–15 % mehr Ertrag gegenüber einseitigen Modulen. Ein weiterer Vorteil bifazialer N-Typ-Zellen: Sie erzeugen auch bei schwachem Licht (morgens, abends, bewölkt) mehr Strom und bauen über die Jahre weniger Leistung ab als ältere P-Typ-Zellen.

 

Meine aktuellen Favoriten:

 

Der Favorit nach meiner Recherche, wenn ihr erstmal keinen Speicher (!)  verwenden möchtet (eine Erweiterung ist möglich): Das Solakon 1000 w Balkonkraftwerk für unter 300 €:

 

 

Falls ihr ein Set inkl. Speicher bevorzugt: Wahlweise das Komplettpaket von Solakon Affiliate Linkmit 4x 500W PV-Module, 800W Hybrid-Wechselrichter und  2,11 kWh ONE Speicher  oder dieses Komplettset von Anker  Affiliate Link mit 2680Wh Speicher, 4×500 W Solarpanels.

Pro Solakon: Datenschutz, deutscher Support, deutsche Server und der bessere Wirkungsgrad. Pro Anker: Etwas mehr Speicherkapazität, KI-Steuerung und die Möglichkeit, dynamische Stromtarife wie Tibber zu nutzen und den Speicher nachts günstig zu laden.

 

 

Frage #9: Was passiert bei einem Stromausfall?

Ein Standard-Balkonkraftwerk ohne Speicher schaltet sich bei einem Netzausfall automatisch ab. Das ist gesetzlich vorgeschrieben (VDE-Norm), damit keine Spannung ins öffentliche Netz zurückfließt und Techniker nicht gefährdet werden. Im Blackout-Fall liefert es also keinen Strom. Auch nicht in euer Haus!Wer für Notfälle vorsorgen möchte, benötigt dafür einen Speicher mit Inselbetrieb-Funktion (EPS), der separat betrieben werden kann.

 

 

Frage #10: Was muss ich als Mieter beachten, wenn ich ein Balkonkraftwerk nutzen möchte?

In Mietwohnungen solltet ihr vorab die Genehmigung des Vermieters einholen. Die Chancen dafür stehen sehr gut, denn seit der WEG-Reform 2024 haben Mieter und Wohnungseigentümer grundsätzlich Anspruch auf eine Genehmigung. Dennoch müssen möglicherweise Auflagen zur sicheren Befestigung und Optik berücksichtigt werden.

 

 

Mein Fazit

Wir nutzen seit über 15 Jahren eine Photovoltaik-Anlage auf unserem Dach und dachten bisher, dass uns das ausreicht. Nun haben wir nochmal nachgedacht und uns doch dafür entschieden, unsere PV-Anlage auf dem Dach durch ein Balkonkraftwerk auf der Garage zu ergänzen.  Zum einen würden wir gerne auch am Abend selbstproduzierten Strom nutzen und noch unabhängiger von unserem Stromanbieter werden, zum anderen haben wir nach einer Möglichkeit gesucht, um im Falle eines Stromausfalls auf einen Stromspeicher zugreifen zu können.

Ich finde konkret folgende Option interessant: 4 Solarmodule a 500 Watt produzieren bis zu 2000 W Strom. Dieser Strom wird nach Bedarf bis zu einer Grenze von max. 800 W ins Haus eingespeist (= gesetzliche Grenze), sodass die Grundlast übernommen wird und die Bedingungen für ein Balkonkraftwerk erfüllt werden. Mit dem zusätzlichen Strom wird ein Speicher tagsüber geladen. Sobald die Solarmodule weniger als 800 W produzieren, speist der Speicher zusätzlichen Strom ins Haus ein. Ein Smartmeter (= kleiner, smarter, digitaler Stromzähler, der den Stromverbrauch misst und mit dem Speicher bzw der dazugehörigen App kommuniziert) sorgt dafür, den Bezug zu regeln und verhindet, dass Strom aus dem Balkonkraftwerk ins Netz eingespeist wird (Nulleinspeisung). Ein ausführlicher Bericht folgt hier auf dem Blog, sobald wir die Anlage erhalten und installiert haben. Vermutlich im Lauf der nächsten Woche.

PS: Ohne die PV-Anlage und ohne den Wunsch, im Blackout-Fall besser abgesichert zu sein, hätte uns die einfache Solarmodul-Variante für unter 300 € ausgereicht.

 

So, nun hoffe ich, dass euch dieser Beitrag gefallen hat und freue  mich wie immer über euer Feedback, eure Fragen, eure Tipps, konstruktive Kritik und Anregungen.

 

Viele Grüße,

 

mamablog ruhrgebiet

 

 

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Über Patricia 645 Artikel
Ich heiße Patricia, bin 47 Jahre alt und lebe mit meinem Mann und unseren 18 und 20 Jahre alten Kindern am Rande des Ruhrgebiets. Dieser Blog ist mein„digitales Notizbuch“. Schön, dass du hier bist!

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