Meine Kindheit in den 80er Jahren

„Frau Mutter“ hat auf ihrem Blog zu einer Blogparade zum Thema #Familienalbum: „Unsere Kindheit der 70er und 80er Jahre“ aufgerufen, an der ich mich beteiligen möchte. Ich wurde 1978 geboren, zu den 70ern kann ich also nicht viel sagen, aber zu den 80ern und frühen 90ern fällt mir einiges ein.

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Erziehung: Kontrollfreaks? Fehlanzeige!

„Helikopter-Eltern“, die ihre 5-jährigen Kinder auf dem Spielplatz von Klettergerüst zu Klettergerüst begleiten ? Die gab es damals nicht.  Wenn ich damals auf dem Spielplatz von der Schaukel gefallen bin, habe ich daraus gelernt, dass ich mich beim nächsten Mal besser festhalten sollte. Trial and error eben!

 

Eigene Erfahrungen machen und einfach Kind sein dürfen – das war toll!

 

Apropos Spielplatz: Ich kann mich auch nicht daran erinnern, dass meine Mutter zu einem kurzen Nachmittagsausflug zum Spielplatz unsere komplette Tupperdosensammlung mit Obst und Gemüsesticks befüllt hätte… Es gab (mit viel Glück) mal ein paar Kekse und zu Hause gab es dann Abendbrot. Bei den Keksen handelte es sich übrigens um Butterkekse: Mit Zucker, dafür ohne Dinkel – lecker! 😉

 

Das Gefühl von Freiheit 

Meine Eltern wussten auch nicht immer und zu jeder Zeit wo ich gerade war und was ich gerade gemacht habe – ein herrliches Gefühl von Freiheit! Einfach draußen spielen, ohne Handy oder Kinder-Ortungssysteme, das Alarm schlägt wenn, das Kind sich weiter als 100 Meter vom Haus entfernt. Dafür mit Freunden, die notfalls Hilfe holen konnten. Mit Kletterbäumen und Staudämmen,  Fahrrad-Rennen (natürlich freihändig und ohne Helm), Banden, aufgeschlagenen Knien,  Baumhöhlen, Klingelstreichen und Lagerfeuern.

 

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Nachhilfe in der Grundschule? Geht´s noch?

Die Schule lief so nebenher, denn meine Eltern waren glücklicherweise tiefenentspannt und haben uns (meinen Bruder und mich) unser Ding machen lassen. Was wir nicht konnten, mussten wir wohl oder übel am nächsten Tag noch schnell vor der Schule abschreiben… geschadet hat es uns nicht – das Abi haben wir trotzdem bestanden. Eltern die ihre Kinder (in der Grundschule!!) 2 x wöchentlich  zur Mathe-Nachhilfe geschickt hätten, damit sich diese in Mathe endlich von einer 2 auf eine 1 verbessern, hätte  man ganz sicher für verrückt erklärt.

 

Terminstress? Nein danke!

Terminstress gab es nur bedingt: Miniclubs, Babyschwimmen, Pekip, Babymassage, Frühförderkuse für kleine Forscher, Englisch für Kleinkinder… all das gab es nicht (oder zumindest habe ich nichts davon mitbekommen). Meine Mutter war mit uns beim Mutter-Kind-Blockflöten Unterricht und ich war mal eine Zeit lang bei einem Schwimmkurs angemeldet, zu dem ich dann aber nicht mehr gehen wollte, weil mein bester Freund in eine andere Gruppe eingeteilt wurde. Der einzige Pflichttermin der Woche war somit der Klavierunterricht. Das war sicher gut gemeint, nur leider kann ich trotz der insgesamt fast 5 Jahren Unterricht heute immer noch kein Klavier spielen…

 

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Hörspiel Kassetten und das leidige Thema „Zurückspulen“

 

Der MP3 Player war noch nicht erfunden – also hörte ich zum Einschlafen Kassetten, die sich, wie mir gerade bewusst wird,  in mein Gedächtnis eingebrannt haben: Erst Benjamin Blümchen (z.B. Benjamin im Urlaub, eine Folge, in der Benjamin Blümchen aka „Benjamino Florentino“ zusammen mit seinem Freund Otto im Nachtzug nach Italien fährt und dort erst „Gelato“ verkauft und später einen Jungen vor dem Ertrinken rettet).Danach hörte ich  Bibi Blocksberg, dann kam eine ziemlich lange Alf Phase  (Ich kann noch immer spontan ganze Dialoge zwischen Alf, Brian und Willy Thanner zitieren während ich mir meine eigene Handy-Nummer, die ich jetzt seit fast 2 Jahren habe, einfach nicht merken kann). Meistens schlief ich noch während der 1. Seite der Kassette ein – also musste ich am nächsten Abend erst mal wieder gefühlte 10 Minuten lang warten, bis ich die Kassette endlich zurückgespult hatte… Irgendwann wurde mir Alf zu langweilig und so bin ich schließlich bei den 3 Fragezeichen gelandet, die einige meiner Freunde auch heute noch zum Einschlafen hören.

 

 

Sonnencreme:

Sonnencreme gab es natürlich – aber keine sofort schützende, Parfum-, Farb- und Konservierungsstoff freie LSF 50 High-Tech Creme aus der Apotheke sondern einfach ganz normale Sonnencreme, aus einer gelb orangen Flasche mit LSF 6  und einem Geruch, der für mich heute noch DIE Definition von Sommer ist. Vielleicht hätten wir hin und wieder doch die teuer High-Tech Creme benutzen sollen – denn an manchen Abenden im Hochsommer kam ich mir vor wie eine Schlange die sich gerade häutet, was sicher nicht allzu gesund war.

 

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1979: Sommerurlaub in Italien

 

Autofahrten:

Auto-Kindersitze hatten wir zwar bereits (von Römer, meiner sah aus wie ein kleiner, oranger „Tisch“ aus Styropor mit einer Aussparung für die Beine). Auf längeren Fahrten durften wir es uns aber mit Schlafsäcken und Kopfkissen im Kofferraum des Kombi´s bequem machen(!) Auf dem Weg in den Sommerurlaub war es (mangels Klimaanlage) manchmal so heiss, dass wir während der Fahrt stundenlang die Köpfe aus dem Fenster hielten und uns lustige Frisuren machten.

DVD Player etc. gab es natürlich noch nicht – und schon gar nicht für´s Auto… also durften wir hin und wieder mal eine Kassette hören, den Rest der Zeit verbrachten wir damit, unsere Eltern nach Autokennzeichen zu fragen, bei Liedern im Radio mitzusingen oder Spiele wie: „ich sehe was, was du nicht siehst“ bzw.  Quartett zu spielen. So zog sich eine 10 stündige Autofahrt schon mal ein wenig… aber mit der Aussicht auf ein Eis am Urlaubsort (z.B. Dolomiti, Capri -> an dem die Zunge fest fror  oder „Brauner Bär„) klappte es dann doch immer erstaunlich gut.

 

Die Haustier-Jagd

Mein Bruder und ich wollten unbedingt ein Haustier haben (am liebsten ein Kaninchen) – aber unsere Eltern waren dagegen. Als wir dann irgendwann mit einem alten Vogelkäfig, in dem sich eine Möhre befand, durch den Häuserblock zogen, um uns selbst ein Kaninchen zu fangen, hatten sie ein Einsehen. Vielleicht waren sie es auch leid, von den Nachbarn darauf angesprochen zu werden… Uns war es recht, denn so bekamen wir „Hoppel“, ein schwarz-weißes riesen Kaninchen, dass uns als Zwergkaninchen verkauft worden war… 😉

 

TV Verhalten:

Kabelfernsehen bekamen wir erst 1988 mit dem Umzug in einen neue Wohnung. Für uns Kinder war es ein Traum: Am Wochenende guckten wir ab 6 Uhr morgens Cartoons auf Super Channel (und das, obwohl wir kaum etwas von dem verstanden, was Inspector Gadget, Marshall Bravestarr und die Defender of the Earth da erzählten – schließlich handelte es sich um einen englischen Sender und damals gab es in der Grundschule noch kein Englisch). Später fingen wir dann an zu „zappen“ – denn auf Tele5 kam: Bim Bam Bino und ich erinnere ich mich noch gut an Serien wie: Die Racoons, Chuck der Bieber, die Bobobobs, Anne mit den roten Haaren, Um die Welt mit Willy Fog,  Mila Superstar u.s.w. Außerdem gab es natürlich noch die Disney Klassiker wie Ducktales oder die Gummibärenbande. Die Anfangslieder beider Serien kann ich heute noch spontan mitsingen… 🙂

 

 

Computer und Spielekonsole:

Wir hatten schon recht früh einen Computer, einen IBM PC XT – da musste man 5,25 Zoll Disketten  einlegen und im Dos Menü die .exe Datei starten… manchmal musste man auch cd..“irgendwas“ eingeben – warum habe ich nie hinterfragt – es funktionierte aber zumindest so gut, dass wir Spiele wie: DigDug, Frogger oder Pacman spielen konnten. Trotzdem war ich immer froh, wenn ich bei einer Freundin war, die einen C64 besaß: Mit dem Competition Pro Joystick Wintergames spielen bis, spätestens nach dem Biathlon-Finale, die Handflächen rot waren: Ein Traum!

Deshalb war es auch ein echtes Highlight, als mein Bruder und ich endlich genug Geld gespart hatten, um einen Amiga 500 zu kaufen: Von Giana Sisters, über Rainbow Island, M.U.D.S., Bubble Bobble, Fußball Manager, Lemmings, Turrican, … – der Amiga lief oft und lange. Später wurde er noch durch ein NES (Quasi ein Vorgänger der Wii) und einen Gameboy ergänzt.

 

 

Büdchen:

Mit meinem Taschengeld habe ich mich sonntags immer direkt auf den Weg zum Büdchen um die Ecke gemacht, um mir eine gemischte Tüte zu kaufen (mit Lakritz!) oder mir diese selbst zusammen zu stellen („für 10 Pfennig Brause-Ufos, für 20 Pfennig Violas, 1 x Wunderkugeln (aber bitte orange/grün)! u.s.w…. manchmal kaufte ich mir auch ein Yps Heft, aber die Gimmicks darin waren leider im wahren Leben nie so gut wie in meiner Vorstellung: Das einzige, was an der „Gummi-Klebehand“ kleben blieb, war der Schmutz auf dem Küchenschrank…  das „Zelt für Abenteurer“ entpuppte sich als aufgeschnittener Müllsack und die Urzeitkrebse waren auch nur mit der Lupe zu erkennen. Lustig war´s trotzdem.

 

Spielzeug:

Einige Spielsachen sind tatsächlich auch nach 30 Jahren noch so beliebt, wie zu meiner Kindheit:

 

 

 

 

Woran erinnert ihr Euch noch besonders gut? Ich freue mich über Kommentare 🙂

Liebe Grüße,

 

Ich freue mich, wenn du meinen Beitrag teilst:

14 comments on “Blogparade: Unsere Kindheit der 70er und 80er – und was die Titelmelodie der Gummibärenbande damit zu tun hat…”

  1. Ja so war es – auch bei uns in Polen, was ich noch besser finde – die Grundschule dauerte 8 JAHRE – bis 15 Lebensjahr war ich von den Freundinen nicht getrennt. Meine Kinder sind jetzt in der 5 und 6 Klassee – die Freunde, die in der Nähe wohnen, haben keine Zeit für sie.
    Dein Post lese ich gerne – kann mich in die Lage meines Mannes versetzen – wobei wir haben beide 6 Stunden täglich drausen gespielt.
    Damals gabt es nicht so viele Pedofilen, Zecken und andere Gefahren…
    Wir müssten nur bis zum Abendbrot zu hause sein.

  2. Beim Thema Kassetten kommen wieder Erinnerungen hoch. Jeden Abend vorm Einschlafen haben meine Schwester und ich immer eine gehört. Und da wir eine recht große Sammlung hatten (Duck Tales, Tabaluga, Gummibärenbande, usw.) gab’s was das anging zum Glück fast nie Streit. Ärgerlich war nur der Bandsalat, den ich zwar meist mithilfe meiner Eltern beheben konnte, in manchen Fällen so aber auch ein paar Kassetten unbrauchbar gemacht hatte.

  3. Danke, für die netten Erinnerungen, die ich ebenfalls aus meiner Kindheit habe! Sofort habe ich das Titellied der Gummibärenbande im Ohr und sehe Marco, wie er winkend am Hafen steht ( was ich heute sogar noch trauriger finde)
    Mittlerweile habe ich Wickie, Heidi und Biene Maja schon mit meinen Kindern gesehen, die natürlich nicht soviel fernsehen dürfen;-))

  4. Hey! Habe eben Deinen supertollen und wunderbaren Artikel meinem Mann vorgelesen und wir haben nicht nur oft gelacht sondern sind nun ganz nostalgisch. 🙂
    An der #familienalbum Blogparade habe ich auch so gern teilgenommen und lese ebenso gern die Artikel der anderen BloggerInnen zum Thema.
    Die Spielzeuge, die privaten Fotos und natürlich der Gummibärenbandensong sind eine echte Bereicherung Deines Artikels! Klasse gemacht!

    Liebe Grüße

    Lareine

    (von http://essentialunfairness.wordpress.com)

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