Mental Load? Nicht mit mir!

Habt ihr schon mal von „Mental Load“ gehört? Der Begriff bedeutet so viel wie geistige Belastung und wird aktuell vor allem genutzt, um die unsichtbare, psychische Dauerbelastung und permanente Erschöpfung zu beschreiben, mit der viele Mütter zu kämpfen haben. Mental Load beschreibt das Gefühl, nicht mehr abschalten zu können, weil die innere To-Do Liste permanent überquillt –  kombiniert mit dem Druck, funktionieren zu müssen, damit das gesamte Familienkonstrukt nicht zusammenbricht. Auch ich kenne dieses Gefühl, habe es aber inzwischen geschafft, diesem Hamsterrad zu entkommen. Wie das geklappt hat und welche allgemeinenpraktischen Tipps mir dabei geholfen haben, erzähle ich euch heute.

 

Mental Load: Was ist das genau?

Laura vom Blog heuteistmusik.de hat das in ihrem  -> Blogbeitrag zum Thema Mental Load ziemlich gut auf den Punkt gebracht:

 

„Immer bin es ICH, die alle Dinge ins Rollen bringen muss. Ich muss delegieren, ich muss unsere Projekte vorantreiben. Ich muss anstoßen, dass wir uns endlich um die Steuer kümmern, das alte Babybett verkaufen, unsere Unterlagen sortieren oder einen Urlaub planen. Wenn ich nicht neun Bälle gleichzeitig in der Luft halte, die stellvertretend stehen für Job, Kinder, Kinderbetreuung, Schule, Haushalt, Termine, Freizeit, Gesundheit und Geschenke, sich stattdessen keiner kümmert, dann habe ich hier den Salat.“

 

 

Kommt euch das bekannt vor? Mir ging es jedenfalls bis vor ca. 4 Jahren ganz ähnlich! Als mir das bewusst wurde, nahm ich mir vor, etwas zu ändern!

 

Mental Load: Problem erkannt, Problem gebannt?

Ich ärgere mich eigentlich nicht lange über Probleme, sondern suche nach Lösungen. So habe ich es auch vor ca. 4 Jahren gemacht. Ich habe darüber nachgedacht, was mich ganz konkret belastet und überlegt, warum ich eigentlich den größten Teil der Verantwortung bei mir gesehen habe, wo mein Mann doch ebenfalls zu 50 % für unsere Familie verantwortlich ist.

 

War ich ein Kontroll-Freak? Die Ursachen für meine Überforderung

Ich kann mir das Ganze rückblickend eigentlich nur so erklären: Nach der Geburt unserer Tochter vor knapp 14 Jahren hat wohl so eine Art Autopilot in meinem Kopf die Kontrolle übernommen und einen Großteil der Verantwortung einfach an sich gerissen! Es kommt mir so vor, als habe mein Mutterinstinkt in Kombination mit gesellschaftlichen Erwartungen in meinem Unterbewusstsein dazu geführt, dass ich zu einer Familien-Managerin mutiert bin, die ich in dieser Form eigentlich gar nicht sein wollte. Es war in dieser Zeit wohl ziemlich schwer, meine hohen Erwartungen zu erfüllen und es fiel mir nicht leicht, Verantwortung abzugeben (-> das fing schon bei der Auswahl der Kinderkleidung an…). Dabei war ich doch vor den Kindern ein wirklich entspannter Mensch … Irgendwie crazy!

Ok, ganz so dramatisch wie es jetzt klingt, war es vielleicht nicht, aber es war schon eine verfahrene Situation, in der ich mich plötzlich zumindest unterbewusst von anderen Menschen bzw. Müttern über den Zustand meines Haushalts, die Qualität der musikalischen Früherziehung meiner Kinder und die Instagramtauglichkeit meines Kuchens definieren ließ. Das Resultat: Ich wurde von Tag zu Tag unzufriedener, denn diesen 24/7 Mütter-Battle kann man gar nicht gewinnen. Zumindest nicht, ohne dabei selbst auf der Strecke zu bleiben. Und erst recht nicht, wenn mit dem Job eine weitere Baustelle hinzu kommt.

Mein Lösungsansatz war daher relativ pragmatisch: „Wenn ich sowieso nicht gewinnen kann, kann ich auch gleich aufhören, es zu versuchen!“ Ich versuchte von nun an, nicht länger mit dem Rest der Welt mitzuhalten, sondern kümmerte mich stattdessen darum, selbst wieder glücklich zu werden. Wenn man selbst glücklich ist, strahlt man das aus und der Rest der Familie profitiert automatisch davon. So lautete zumindest meine Theorie.

 

 Werbung


 

7 Schritte aus der Mental Load Falle

Nun fragt ihr euch vielleicht, wie ich es hinbekommen habe, diesem Mütter-Hamsterrad nach und nach zu entkommen. Ich habe mal 7 Tipps aufgeschrieben, die mir persönlich wirklich geholfen haben und die ich daher empfehlen kann:

  1. Redet über die Dinge, die euch stören! Der Rest der Familie kann eure Gedanken nicht lesen. Schreibt auf, was euch ganz konkret belastet und sucht gemeinsam nach alternativen Lösungen!
  2. Lernt, Verantwortung abzugeben und das „unperfekte“ auszuhalten! Hört auf, alles an euch zu reißen. Ihr seid nicht alleine für den Familienalltag (= den leeren Kühlschrank, das Chaos im Haus etc.) verantwortlich. Bezieht eure Partner und Kinder mit ein! Es gibt nicht nur DEN EINEN Weg und nur weil die Dinge nicht genau so laufen, wie ihr sie euch vorgestellt habt, müssen sie noch lange nicht schlecht sein!
  3. Löscht das Bild von der perfekten Mutter aus eurem Kopf! Eine aufgeräumte Wohnung, leckeres Essen, modisch gekleidete Kinder mit guten Schulnoten: Das alles sagt weder etwas über euch noch über eure Qualitäten als Mutter aus – und schon gar nicht darüber, wie glücklich die einzelnen Familienmitglieder sind! Und darauf kommt es doch eigentlich an.
  4. Übt „NEIN“ zu sagen! Das gilt sowohl für den Job, als auch für´s Privatleben!
  5. Ignoriert, was andere über euch denkenWas andere denken, ist schließlich nicht euer Problem! (-> Ganz egal was ihr macht: Es gibt immer jemanden, dem das nicht passt!)
  6. Nehmt eure Bedürfnisse ernst! Es hat nichts mit Egoismus zu tun, wenn ihr euch Zeit für EUCH nehmt. Für Hobbies, für eine Auszeit mit eurem Partner, für Kurztrips mit euren Freundinnen oder um einfach mal auszuschlafen. Ihr müsst nicht ständig funktionieren!
  7. Organisiert euch besser! Eine gute Organisation hilft euch, eure Zeit viel besser zu nutzen! Wie das im Detail aussehen kann? Zum Beispiel so:

 

 

Konkrete Ideen für eine bessere Familien-Organisation & weniger Stress

 

  • Synchronisiert euren Smartphone Kalender mit eurem Partner und tragt ALLE Termine SOFORT ein, um den Kopf frei zu bekommen und trotzdem keine Termine mehr zu vergessen.
  • Nutzt Monats- oder Wocheneinkaufspläne -> hier geht es zu meiner kostenlosen Druckvorlage in Kombination mit der Bring App als gemeinsamen Einkaufszettel!
  • Sichert eure Passwörter in einer App (z.B. Enpass), um diese nicht ständig suchen oder neu anfordern zu müssen!
  • Entrümpelt eure Wohnung konsequent – das erleichtert nämlich das Ordnung halten ganz enorm! -> Hier geht es zu meinem Erfahrungsbericht!
  • Denkt über eine Unterstützung im Haushalt nach, wenn euch dieses Thema stresst.
  • Nutzt alternativ Haushaltshelfer, die euch Arbeit abnehmen (z.B. Saugroboter <- dieser hier kann staubsaugen, wischen und hat gute Bewertungen! *Amazon Affiliate Link)
  • Teilt euch „Kind-krank Tage“ sowie Arztbesuche mit den Kindern besser auf!
  • Gönnt euch regelmäßig einen Babysitter!
  • Vernetzt euch mit anderen Müttern (bildet Fahrgemeinschaften etc) und lernt, um Hilfe zu bitten.
  • Tretet aus Eltern-Whatsapp-Gruppen aus(!)
  • Bestellt Pizza oder kauft Fertigkuchen, wenn ihr keine Zeit zum Kochen oder Backen habt.
  • Wechselt euch mit dem Besuch von Elternabenden ab (und spart euch den Besuch des Elternsprechtags, wenn euer Kind keine Probleme in der Schule hat).
  • Haltet euch erstmal aus dem Thema Schule raus und engagiert lieber externe Nachhilfelehrer (z.B. Schüler aus der Nachbarschaft), falls eure Kinder Hilfe benötigen, aber nicht mit euch lernen möchten. -> Hier gibt es weitere Alternativen, mit denen eure Kinder selbstständig lernen können.

 

Mit diesem DIY Wäschefaltbrett können schon kleine Kinder ihre Wäsche selber falten:

 

 

 

Kurz zusammengefasst: Hört auf euer Bauchgefühl, streicht die Dinge (und Menschen) aus eurem Leben, die euch stressen und macht nur das, was EUCH als Familie gut tut. Ihr müsst niemandem etwas beweisen und es wäre doch zu schade, wenn ihr die wirklich schöne und einmalige Zeit mit euren Kindern nicht genießen könntet, weil ihr permanent unter Strom steht.

 

 

Mein Fazit:

Große Veränderungen sind oft mit einer gewissen Überwindung verbunden. Erst recht, wenn die Energie eigentlich schon nicht mehr ausreicht, um sich anfänglichen Konflikten zu stellen. Es lohnt sich aber, genau diese Energie zu investieren! Und man hat wirklich jederzeit die Möglichkeit, damit anzufangen! Bei uns gab es anfangs sehr viele Diskussionen unter dem Motto: „Aber das hast du doch sonst immer gemacht“ oder auch: „Das hast du doch sonst auch nie gemacht“. Meine Antwort lautete dann irgendwann: „Schlimm genug. Höchste Zeit damit anzufangen“. Inzwischen hat sich alles gut eingespielt und ich würde sagen, dass wir vier uns die Aufgaben im Alltag (Haushalt, Kinder, Schule, etc.) inzwischen tatsächlich gerecht teilen – mit dem Ergebnis, dass es bei uns mittlerweile so harmonisch zugeht wie nie, und das, obwohl ich so wenig mache, wie nie zuvor. Es geht also ziemlich gut ohne mich! 😉 #lifegoal

 

Nun interessiert mich wie immer, was ihr zu diesem Thema sagt. Fühlt ihr euch eher glücklich und entspannt, oder gestresst? Habt ihr das Gefühl, dass der Großteil der Verantwortung auf euren Schultern lastet? Oder sind die Pflichten und Aufgaben im Haushalt bei euch gerecht aufgeteilt? Ich freue mich, über eure Kommentare!

 

Liebe Grüße,

 

 

Ich freue mich, wenn du meinen Beitrag teilst:

7 comments on “Mental Load: Das hilft gegen die Mama-Dauerbelastung!”

  1. Huhu, das sind wirklich sehr gute Tipps, die man mehr verinnerlichen sollte. Sobald die Kinder größer sind, kann man echt vieles davon gut umsetzen (Die Babyzeit betrachte ich mal als Ausnahmezustand). Einzig was Whats-App-Gruppen angeht, bin ich anderer Meinung. Ich habe einige sogar selbst gegründet: Der Austausch erspart einem Ärger, weil man keine KiTa-Events oder To Dos verpasst. Zudem kann man einfach mal in die Runde fragen, wer morgen mit auf den Spielplatz kommen möchte.

    • Hi, da hast du Recht: Es gibt natürlich solche und SOLCHE Whatsapp Gruppen.
      Manche sind praktisch, einige nerven aber auch ziemlich. Wenn die Kinder auf der weiterführenden Schule sind, können sie ja viele Dinge auch selbst klären. 🙂

      Liebe Grüße,
      Patricia

  2. Liebe Patricia,
    ich habe gerade deinen Blog entdeckt und bin begeistert.
    Du sprichst mir in so vielen Dingen aus der Seele.
    Ich habe vor 2 Wochen auch mit dem Laufen angefangen und danke dir für die Tipps. Auch Marie Kondo begeistert mich seit 6 Monaten und ich habe gründlich ausgemistet.
    Endlich mal kein durchgestylter Blog, sondern ein Blog aus dem Leben. Hier finde ich mich wieder und angesprochen. Und hier bleibe ich.
    Danke * Danke* Danke*
    Liebe Grüße aus Berlin sendet dir Jenny

  3. Du hast Recht. Aber sowas von. Ich glaube, das ist so ein Frauending, dass wir immer meinen alles regeln zu müssen und am Ende total überfordert sind. Ich würde mich echt freuen, wenn meine 3 Kerle auch mal allein auf die Idee kommen würden, mich zu unterstützen. Aber da das ja alles so prima klappt, kommen die wahrscheinlich imm ganzen Leben nicht drauf. Daher muß man also Sachen abgeben und klar ansprechen. Danke für die Runde Tipps! Das lasse ich mir auf jeden Fall nochmal durch den Kopf gehen. LG, Nadine

    • Hallo Nadine,

      ja genau! So ist es!! Ich habe auch lange gewartet – und nichts ist passiert. Wieso auch? Es lief ja alles bestens!
      Das Problem: Der Rest der Familie gewöhnt sich an die Aufgabenverteilung und es wir immer schwieriger, mehr Unterstützung einzufordern. Ich war da vor allem während der Elternzeit sehr naiv und würde das rückblickend anders machen. Heute mache ich weniger und bekomme trotzdem dem Wertschätzung…Vielleicht, weil nicht mehr alles selbstverständlich ist?! Irgendwie ungerecht.

      Ganz liebe Grüße,

      Patricia

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.