
Nachhaltige Zahnbürsten: Warum Plastikborsten die bessere Wahl sind
Heute Morgen wurde mir auf Instagram die Anzeige eines Bambus-Zahnbürsten Herstellers angezeigt. Darin hieß es sinngemäß: „Als Zahnarzt verbiete ich meinen Kindern das Zähneputzen mit herkömmlichen Zahnbürsten, da durch die Kunststoffborsten Mikroplastik in den Körper gelangt„. Da ich seit längerem versuche, die größten Mikroplastik-Quellen aus unserem Alltag zu verbannen, weckte die Anzeige mein Interesse.
Warum halten nachhaltige Zahnbürsten nicht, was sie versprechen (wenn es um den Kontakt mit Mikroplastik geht)?
Ich fing an mich in das Thema einzulesen und stellte schnell fest, dass die Borsten der beworbenen, nachhaltigen Zahnbürste ebenfalls aus Plastik bestehen. Dieses wird zwar nicht aus Erdöl, sondern aus Rizinusöl gewonnen (auf der Hersteller Website wird dieses als „100% pflanzliches Öl aus den Samen des Wunderbaums“ umschrieben). Das macht aber am Ende aus meiner Sicht keinen Unterschied, da auch das pflanzliche Öl aufgespalten, chemisch verändert und zu Polymeren verarbeitet, bis ein robuster, flexibler Kunststoff entsteht. Dieser ist NICHT biologisch abbaubar und setzt ebenfalls Mikroplastik-Abrieb frei.
Ähnlich ist es mit den häufig beworbenen veganen DuPont™ Borsten. Diese bestehen aus Nylon, das wiederum aus fossilem Erdöl hergestellt wird. Und auch die weichen BPT-Borsten bestehen aus Kunststoff. BPT steht nämlich für Polybutylenterephthalat
Warum nutzen Hersteller von nachhaltigen Zahnbürsten keine nachhaltigen Borsten?
Ich stellte mir die Frage, warum die Hersteller nicht einfach natürliche Materialien verwenden. Meine aktuelle Einschätzung lautet: Weil es keine vernünftige, nachhaltige Alternative gibt! Sowohl pflanzliche als auch tierische Borsten haben nämlich deutlich mehr Nachteile als Vorteile:
- Pflanzenfasern wie Sisal-, Kokos- oder Bambusfasern sind zwar natürlich, biologisch abbaubar, nachhaltig und vegan. Sie sind aber „hygroskopisch“ – ziehen also Wasser an, was die Entstehung von Bakterien und Schimmel fördert, die Lebensdauer verkürzt, die Borsten z.T. härter oder weicher werden lässt und die Zähne weniger effektiv reinigt.
- Rosshaar ist biologisch abbaubar, sehr weich und sanft zum Zahnfleisch. Es gibt aber Hygienerisiken, da die Haare langsamer trocknen und sich Schimmel und Bakterien bilden können. Die Tierhaare reinigen sanft, aber weniger effektiv, die Lebensdauer ist kürzer.
- Wildschweinborsten sind ebenfalls biologisch abbaubar, nehmen aber wie Rosshaar Wasser auf und bleiben länger feucht als Kunststoffborsten, was Bakterien und Schimmel fördert. Plaque wird deutlich schlechter entfernt als von Nylon bzw. Kunststoffborsten. Natürliche Haare verlieren darüber hinaus deutlich schneller die Form bzw. brechen ab.

Warum sind Zahnbürsten mit Kunststoff-Borsten die derzeit beste Wahl?
Sowohl Nylon als auch BPT und „biobasierter Kunststoff“ aus Rizinusöl sind langlebig, elastisch, schnelltrocknend und hygienisch. Die Borsten bieten eine optimale Reinigungsleistung und eine große Auswahl an Härten, was eine effektive Entfernung von Zahnbelag ermöglicht. Häufig sind die Borsten zudem abgerundet, was die Reinigung besonders schonend macht. Der Mikroplastik-Abrieb ist – verglichen mit anderen Quellen wie z.B. Schneidebrettern aus Kunststoff – sehr gering. Ein Wechsel zu einem Naturprodukt würde also aktuell mehr Nach- als Vorteile bedeuten.
Worauf sollte ich beim Kauf einer Zahnbürste achten?
Hier folgen 5 Punkte, auf die ihr beim Kauf eurer Zahnbürste achten solltet:
- Borsten aus Kunststoff! Zwischen Nylon, BPT, biobasiertem und klassischem Kunststoff gibt es keinen nennenswerten Unterschied.
- Abgerundete Borsten
- Der richtige Härtegrad. Weich oder Mittel. Weich: Kinder, Personen mit empfindlichem Zahnfleisch. Mittel: Für alle anderen. Hart: Aus meiner Sicht nicht empfehlenswert, weil zu harte Borsten Schäden verursachen.
- Nano Zahnbürsten würde ich eher nicht empfehlen, da sich die sehr dichten Borsten schlecht reinigen lassen und deutlich länger brauchen, um zu trocknen.
- Griff aus Holz, wenn euch Nachhaltigkeit wichtig ist. Aber Achtung: Holz kann bei empfindlichen Lippen zu Irritationen führen, wenn es nicht komplett glatt ist. Die Struktur der Oberfläche ist je nach Hersteller unterschiedlich.
Tipp: Lest wie immer aufmerksam Bewertungen und achtet auch darauf, ob die Bürsten z.B. schnell die Borsten verlieren.
Mein Fazit:
Anbieter, die damit werben, dass ihre Zahnbürsten-Borsten kein „fossiles“ Mikroplastik abgeben, weil diese aus dem „Öl des Wunderbaums“ bestehen, führen Verbraucher in die Irre. Mikroplastik ist Mikroplastik, egal ob es aus Erdöl oder Rizinusöl hergestellt wird. Dabei ist das gar nicht nötig, das tatsächliche Material zu „vertuschen“ – denn die Borsten aus Kunststoff sind gut und empfehlenswert. Wenn sie dann noch mit einem Griff aus Bambus- oder Buchenholz kombiniert werden, entsteht eine umweltfreundliche, sinnvolle Alternative zur klassischen Zahnbürste aus Kunststoff.
Zumindest wenn die Form der Zahnbürste stimmt, die Borsten gut halten und die Oberfläche der Bürste glatt ist. Ich habe gerade mal das Internet durchforstet und werde demnächst mal die Zahnbürste Interdental Holz von Alverde testen, die ich für 2,45 € im Online-Shop von dm entdeckt habe. Ich werde berichten, ob ich mit diesem Modell zufrieden bin.
Nun interessiert mich wie immer eure Meinung zu diesem Thema. Welche Zahnbürste ist denn euer aktueller Favorit? Habe ich in diesem Beitrag einen wichtigen Punkt vergessen? Dann schreibt mir gerne. Ich passe meinen Beitrag gerne an, wenn sich mein Kenntnisstand ODER der aktuelle Forschungsstand verändert.
Viele Grüße,

Was wir sonst noch machen, um Mikroplastik zu vermeiden:
- Wir sind z.B. von beschichteten Pfannen zu diesen Edelstahlpfannen Affiliate Linkgewechselt
- Haben unsere Plastik-Schneidebretter entsorgt und sind auf spülmaschinenfeste Schneidebretter aus Holz umgestiegen
- Haben einen Wasserfilter installiert (aktuell teste ich sogar einen Osmose-Filter)
- Wir haben fluoridhaltige Zahnpasta entsorgt und
- Kosmetik bzw. Sonnencreme mit schädlichen Inhaltsstoffen überwiegend verbannt
- Wir nutzen Steinsalz statt Meersalz und tauschen Kleidung bzw. Bettwäsche aus Mikrofaser / Polyester oder Nylon gegen natürliche Materialien wie Baumwolle
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