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Alles, was ihr VOR einer Weisheitszahn-OP wissen solltet!

 

Unserer Tochter wurden am letzten Montag 4 Weisheitszähne entfernt. Da mich auf Instagram zahlreiche Fragen zu diesem Eingriff erreicht haben, möchte ich unsere persönlichen Erfahrungen nun wie immer mit euch teilen. In diesem  Beitrag geht es dabei um folgende Punkte:

 

  • Gründe, die für bzw. gegen eine Entfernung der Weisheitszähne sprechen
  • Örtliche Betäubung, Sedierung, Lachgas oder Vollnarkose?
  • Ablauf einer Weisheitszahnentfernung in Vollnarkose
  • Vor-  und nach der OP: Worauf sollte man achten – und was kann man essen?
  • F.A.Q: Häufig gestellte Fragen

 

 

Gründe, die für bzw. gegen eine Entfernung der Weisheitszähne sprechen

 

Für die Entfernung der Weisheitszähne kann es unterschiedliche Gründe geben. Oft reicht der Platz im Kiefer einfach nicht aus, sodass die Weisheitszähne ganz oder teilweise im Kieferknochen steckenbleiben, was wiederum zu folgenden Problemen führen kann:

 

  • Der Knochen bzw. die Schleimhaut können sich entzünden.
  • Es können sich Karies, Zysten oder Abszesse bilden.
  • Vorhandene Zähne können durch den Druck der Weisheitszähne beschädigt werden.
  • Die Versorgung von Nachbarzähnen kann behindert werden.
  • Zähne können sich nach Abschluss der kieferorthopädischen Behandlung wieder verschieben.

 

Da bei unserer Tochter auf einem Röntgenbild gut zu erkennen war, dass die Weisheitszähne schräg standen und nicht genügend Platz im zu kleinen Kiefer haben würden, wurde uns zu einer frühzeitigen Entfernung der Zähne geraten. Die Entfernung vor dem 25. Lebensjahr hat den Vorteil, dass die Zähne noch recht klein und nicht stark verwurzelt sind.

Es gibt aber auch Argumente, die gegen eine Entfernung sprechen. So ist eine Entfernung der Weisheitszähne zum Beispiel nicht notwendig, wenn diese durch eine kieferorthopädische Behandlung in die Zahnreihe eingefügt werden können. Vor einer Entscheidung sollten Risiken und Nutzen des Eingriffs also unbedingt gemeinsam mit einem Experten abgewogen werden.

 

-> Hier könnt ihr euch die Leitlinien der AWMF / Deutschen Gesellschaft für Mund-, Kiefer und Gesichtschirurgie bzw. Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde durchlesen

 

 

 

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Örtliche Betäubung, Sedierung oder Vollnarkose?

 

Nachdem feststand, dass die Weisheitszähne unserer Tochter entfernt werden müssen, standen wir vor der nächsten Frage: Reicht eine örtliche Betäubung (evtl. + Sedierung) oder ist eine Vollnarkose die bessere Wahl? Ich habe viel im Internet recherchiert und anschließend die Erfahrungsberichte meiner Leser studiert. Dann haben wir uns von einem Kieferchirurgen beraten lassen. Die Vor- und Nachteile habe ich hier mal aus meiner persönlichen Sicht zusammengefasst.

 

 

Örtliche Betäubung:

 

Ablauf:

Der Bereich rund um den Weisheitszahn bzw. die Weisheitszähne wird durch eine Spritze örtlich betäubt (= lokale Anästhesie).

 

 

Vorteil:

Keine Schmerzen während der Behandlung, volles Bewusstsein, geringes Risiko. Die Kosten werden durch die Krankenkasse übernommen.

 

Nachteil:

Die Schmerzen werden zwar durch die lokale Betäubung ausgeschaltet, der Patient spürt aber den Druck und hört die Geräusche (bohren, knacken etc.). Bei sensiblen Menschen kann das Ziehen der Zähne u.U. traumatisch wirken und eine Angst vor weiteren Behandlungen beim Zahnarzt auslösen.

 

Kosten: 0 €

 

Tipp: Falls ihr euch dafür entscheidet, die Weisheitszähne unter einer örtlichen Betäubung ziehen zu lassen, solltet ihr euch Kopfhörer mitbringen und euch während der Behandlung  mit eurer Lieblingsmusik ablenken.

 

 

 

Beruhigungsmittel / Sedierung + örtliche Betäubung

 

Als Alternative zur örtlichen Betäubung wurde unserer Tochter eine zusätzliche Sedierung (= Beruhigung) mit Dormicum / Midazolam vorgeschlagen.

 

Ablauf:

Patienten erhalten ca. 30 Minuten vor der Behandlung ein Medikament mit dem Wirkstoff Midazolam, das die ihnen die Angst nimmt und sie in einen leichten Dämmerzustand versetzt. Das Bewusstsein bleibt teilweise erhalten, der Patient atmet eigenständig.

 

Vorteil:

Deutlich weniger Angst, weniger negative Erinnerungen.

 

Nachteil:

Die Wirkung des Beruhigungsmittels ist sehr individuell. Während einige Patienten das Gefühl haben, die komplette Behandlung zu verschlafen, bekommen andere die komplette Behandlung mit.

 

Kosten:

Je nach Praxis ca. 50 €

 

 

Sedierung durch Lachgas (= Distickstoffoxid)

 

Ablauf:

Das Lachgas wird durch eine Nasenmaske eingeatmet und mit einem Beruhigungsmittel sowie einer örtlichen Betäubung kombiniert. Der Patient bleibt bei Bewusstsein bzw. ansprechbar, fühlt sich aber leicht und zutiefst entspannt. Puls und Sauerstoffsättigung werden mit einem Pulsoxymeter überwacht.

 

Vorteil:

Die Wirkung tritt sehr schnell ein und lässt im Anschluss an die Behandlung auch schnell (nach ca. 5 – 10 Minuten) wieder nach, sodass der Patient schon nach kurzer Zeit wieder fit ist und die Praxis ohne Einschränkungen durch die Betäubung verlassen kann. Da der Patient nicht beatmet werden muss und die Reflexe erhalten bleiben, kann die Behandlung durch den Zahnarzt ohne die Anwesenheit eines Anästhesisten durchgeführt werden.

 

Nachteil:

Es kann zu sehr seltenen Nebenwirkungen wie Schwindel oder Übelkeit kommen. Für Patienten mit starken Ängsten kann eine Lachgas-Behandlung u.U. nicht ausreichen, sodass die Vollnarkose die bessere Wahl darstellt.

 

Kosten:

Ja nach Praxis z.B. 90 € pro 30 Minuten.

 

 

Vollnarkose

 

Ablauf: 

Die Vollnarkose wird durch einen venösen Zugang eingeleitet. Während der Narkose werden die Patienten künstlich beatmet. Hierzu wird ein kleiner Schlauch durch die Nase bis in die Luftröhre geschoben und an ein Beatmungsgerät angeschlossen. Durch einen kleinen Ballon wird der Zugang zur Luftröhre verschlossen, sodass keine Flüssigkeit in die Lunge gelangen kann. Die Narkose wird von einem ausgebildeten Facharzt der Anästhesie (= Narkosearzt) sowie einer Intensiv- oder OP-Pflegekraft überwacht.

 

Vorteil:

Der Patient bekommt nichts von der Behandlung mit. Durch die Vollnarkose kann der Kieferchirurg besonders schnell und präzise arbeiten.

 

Nachteil:

Jede Vollnarkose birgt ein gewisses Risiko, dass aber durch den anwesenden Anästhesisten minimiert wird.

 

Kosten:

Die Kosten variieren ja nach Praxis. Wir haben 275 € gezahlt. Möglicherweise ist eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse bei Angstpatienten möglich, wenn der Antrag vor dem Eingriff gestellt wird. Weitere Infos hierzu findet ihr unten im FAQ Bereich.

 

 

Zusätzlicher Hinweis zur Sedierung:

 

Eine tiefe Sedierung (z.B. mit Propofol bzw. anderen Hypnotika, die zu Narkosezwecken zugelassen sind) kann dazu führen, dass die natürlichen Schutzreflexe beeinträchtigt werden bzw. der Patient unerwartet in eine Vollnarkose wechselt und somit beatmet werden muss. Hier übersteigt das Risiko dann aus meiner Sicht das einer sorgfältig überwachten Vollnarkose.  

 

-> Ausführliche Infos zum Thema Anästhesie beim Zahnarzt bzw. Risiken einer Dämmerschlaf-Sedierung findet ihr hier.

 

 

 

 

Ablauf einer Weisheitszahnentfernung in Vollnarkose

 

Da unsere Tochter sehr sensibel und schmerzempfindlich ist, hat sie sich nach unserem gemeinsamen Beratungstermin beim Kieferchirurgen für eine Entfernung der 4 Weisheitszähne in Vollnarkose entschieden. Alternativ wäre für uns eine Behandlung mit Lachgas infrage gekommen – diese wurde in der Praxis aber nicht angeboten. Der grobe Ablauf sah so aus:

 

  • Voruntersuchung + Beratung (evtl. Anfertigung neuer Röntgenbilder)
  • Narkose-Aufklärungsgespräch
  • Tag der OP + 24 Beobachtung zu Hause
  • 8 Tage nach der OP: Fäden ziehen.

 

 

Konkret lief der Tag der Weisheitszahn-OP folgendermaßen ab:

 

Da die OP für 14 Uhr terminiert war, durfte unserer Tochter um 7.30 Uhr noch wie gewohnt frühstücken. Anschließend musste sie dann für 6 Stunden absolut nüchtern bleiben. In der Praxis angekommen ging dann alles ganz schnell: Die Narkose wurde im Beisein des Papas eingeleitet und nach ca. 60 Minuten konnte er unsere Tochter dann auch schon wieder beim Aufwachen begleiten.

Die OP selbst dauerte nur ca. 30 -40  Minuten. Die Dauer hängt allerdings auch davon ab, wie viele Zähne entfernt werden müssen, wo und wie diese liegen, wie stark sie bereits verwachsen sind, ob weitere „Baustellen“ wie z.B. Zysten entdeckt werden us.w.

Bei unserer Tochter verlief alles ohne Komplikationen und so konnte sie nach weiteren  45 Minuten bereits den Heimweg antreten. Den Rest des Tages hat sie dann im Ruhemodus auf der Couch verbracht und dabei ihre Wangen stetig gekühlt, um ein Anschwellen zu verhindern.

 

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Schmerzen hatte sie zunächst gar keine, weil der Kiefer zusätzlich zur Vollnarkose örtlich betäubt wurde. Mit je einer 600er Ibuprofen Schmelztablette Amazon Affiliate Link morgens und abends in den ersten 3 Tagen nach der OP hat sie die gesamte Behandlung dann wirklich gut und mit minimalen Schmerzen und einer leichten Schwellung der Wangen überstanden.

 

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Abendbrot unserer Teenie Tochter: Toast mit Schokocreme + Avo

 

 

 

Vor-  und nach der OP: Worauf sollte man achten? 

 

  • Zum OP-Termin solltet ihr bequeme Kleidung tragen.
  • Die Zähne sollten wie gewohnt gründlich geputzt werden.
  • Auf Schmuck und Make-Up sollte verzichtet werden.
  • Nach der OP heißt es dann: Kühlen, kühlen, kühlen! Achtet also darauf, dass genügend Kühlakkus Amazon Affiliate Link vorhanden sind.
  • Wartet mit dem Essen unbedingt, bis die Betäubung komplett abgeklungen ist, um euch nicht zu verletzen.

 

Wichtig: Nach einer Vollnarkose müssen Patienten 24 Stunden beobachten werden – dürfen also nicht alleine sein. Bei starken Blutungen, Fieber oder stärker werdendem Pochen sollte umgehend ein Arzt kontaktiert werden.

 

 

 

 

Was darf man nach einer Weisheitszahn-OP essen?

 

Nach der Entfernung der Weisheitszähne solltet ihr euch in den ersten Tagen auf weiche, milde Speisen beschränken. Besonders empfehlenswert sind:

 

  • Kartoffelpüree (ohne Milch)
  • zerdrückte Banane mit Hafermilch (diese enthält keine Milchsäure)
  • lauwarme Suppe
  • Avocado
  • Rührei
  • weiche Nudeln
  • weiches Toast ohne Rinde
  • Wackelpudding
  • selbstgemachtes Wassereis aus Softdrinks  Amazon Affiliate Link

 

 

Bis die Wunde einigermaßen verheilt ist ( 3 – 7 Tage)  solltet ihr auf folgende Lebensmittel verzichten:

 

  • saures Obst (wegen der Fruchtsäure)
  • Nüsse & Brotkrusten (diese sind zu hart)
  • Haferflocken, Chiasamen, Leinsamen, Reis etc. (können in der Wunde hängenbleiben und zu Entzündungen führen)
  • Milchprodukte wie Milch, Quark, Joghurt, Käse, Pudding (Milchsäurebakterien können in die Wunde gelangen und Infektionen auslösen bzw. gebildeten Wundschorf frühzeitig auflösen. Außerdem kann es Wechselwirkungen mit Antibiotika geben).

 

 

In den ersten beiden Tagen solltet ihr außerdem keinen Kaffee, keine Milch, keine Cola, schwarzen Tee oder Alkohol trinken. Empfehlenswert sind hingegen Kamillen- und Salbeitee.

 

 

 

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Selbstgemachtes Mountain Dew Wassereis

 

 

 

FAQ: Häufig gestellte Fragen

Nun folgen noch Antworten auf Fragen, die mir in den letzten Tagen gestellt wurden.

 

Wie lange dauern die Schmerzen nach einer Entfernung der Weisheitszähne? Das ist ganz unterschiedlich und hängt u.a. davon ab,  wie und wo die Zähne lagen, wie fest sie verwurzelt waren und wie empfindlich der Patient ist.  Durchschnittlich muss man für ca. 2 – 3, manchmal bis zu 7 Tage mit Schmerzen rechnen.

 

Ist es sinnvoll, alle Zähne auf einmal ziehen zu lassen? Zu diesem Punkt habe ich sehr viele Rückmeldungen von Lesern erhalten und fast alle würden sich die Zähne wieder in einem Durchgang ziehen lassen. Nur eine Leserin schrieb, dass sie es nicht empfehlen kann. Unsere Tochter würde es wieder genauso machen und ist froh, dass sie das Thema nun abhaken kann. Der Plan, dass man je eine Seite machen lässt, um dann auf der jeweils anderen Seite normal kauen zu können, geht übrigens nicht wirklich auf, weil man den Mund auch bei einer einseitigen Entfernung anschließend nicht richtig öffnen kann. Zudem besteht die Gefahr, dass die Entfernung als so unangenehm empfunden wird, dass der 2. Termin nicht mehr wahrgenommen wird.

 

Wie stark sind die Schwellungen? Das ist ganz unterschiedlich. Unsere Tochter hat ihre Wangen quasi nonstop gekühlt und hatte vom 2.-5 Tag eine leichte Schwellung der Wangen.

 

Was kostet es, sich die Weisheitszähne entfernen zu lassen? Das hängt davon ab, für welche Variante ihr euch entscheidet. Die Krankenkasse übernimmt die Entfernung unter örtlicher Betäubung. Eine Vollnarkose kostet – je nach Aufwand ca. 275 €.

 

In welchen Fällen übernimmt die Krankenkasse die Kosten für die Vollnarkose zur Entfernung der Weisheitszähne? Bei Kindern unter 12 Jahren, Menschen mit geistiger Behinderung oder schweren Bewegungsstörungen, Patienten, die schwere, ärztlich anerkannte Angstreaktionen zeigen oder bei denen Beruhigungsmittel oder örtliche Betäubungsmittel nicht eingesetzt werden dürfen,  können die Kosten für eine Vollnarkose von der Krankenkasse übernommen werden, wenn dies VOR dem Eingriff entsprechend abgeklärt wird.

 

Unser Fazit:

Wer keine Angst vor dem Zahnarzt hat und Geräusche bzw. Druck in Kopfnähe gut aushält, kann sich die Weisheitszähne mit einer örtlichen Betäubung entfernen lassen. Bei komplizierten Weisheitszähnen, die vielleicht sogar einen Unterkiefernerv umschließen sowie bei sensiblen Personen ist eine Vollnarkose oder Lachgas eine Option, die ihr mit dem Kieferchirurgen eures Vertrauens besprechen solltet. Unsere Tochter ist nun – also 9 Tage nach dem Eingriff – schmerzfrei und sehr zufrieden mit ihrer Entscheidung.

 

UPDATE: Gestern (genau 3 Wochen nach der OP) klagte unsere Tochter plötzlich über leichte Schmerzen im Kiefer. Da die linke Wange zudem leicht angeschwollen war, sind wir zur Kontrolle in die Praxis gefahren. Dort stellte sich heraus, dass vermutich ein kleiner Speiserest in die Wunde gelangt ist und dort eine Entzündung ausgelöst hat. Der Bereich wurde gespült und die Entzündung wird nun 12 Tage lang mit einem Antibiotikum behandelt.

 

So, nun hoffe ich, dass euch dieser Beitrag weiterhelfen konnte und freue mich wie immer sehr über euer Feedback bzw. eure Fragen und Tipps zu diesem Thema!

 

Viele Grüße,

 

 

 

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