Vor- und Nachteile der Anti Corona Apps im Überblick

 

Im NDR Corona-Podcast Nr. 30 mit Prof. Drosten wurde gestern darüber berichtet, wie Handy-Daten bzw. Fitness-Armbänder zur Eindämmung des Coronavirus genutzt werden können. Nachdem ich gestern in meiner Instagram Story nach eurer Meinung zu diesem Thema gefragt habe und zahlreiche Fragen und Rückmeldungen erhalten habe, habe ich mich heute mal mit diesem Thema befasst und möchte meine Gedanken nun mit euch teilen.

 

 

Die Idee hinter den Anti-Corona-Apps

Im Grunde geht es bei der Verwendung von Anti-Corona-Apps darum, neue Methoden zu entwickeln, um die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Coronavirus effektiv zu reduzieren und die aktuellen Beschränkungen zugleich schrittweise zu lockern. Das klingt grundsätzlich erstmal sinnvoll, denn irgendwie muss das Leben nach dem Lockdown ja weitergehen.

 

 

Welche Arten von Anti-Corona Apps gibt es?

 

Aktuell sind zwei unterschiedliche App-Arten im Gespräch: 

 

  • Eine Contact-Tracing App, die mit Hilfe einer Ortungsfunktion sowie der Verwendung von Bluetooth-Technologie registriert, wenn Menschen sich über einen zuvor festgelegten Zeitraum in unmittelbarer Nähe von einander aufhalten.
  • Eine Corona Datenspende App, die die Daten von Fitness-Trackern verwendet, um über den Anstieg des Ruhepulses einen Rückschluss auf Fieber (= eine Infektion) in einer bestimmten Region zu geben.

 

 

 

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Die Vorteile einer Contact-Tracing App

 

Die Nutzung einer (anonymisierten) Corona-Ortungs- bzw. Contact-Tracing App halte ich grundsätzlich für sehr sinnvoll. 46 % der Übertragungen finden statt, bevor Symptome auftreten. Das verdeutlicht, wie wichtig es ist, an dieser Stelle Zeit zu gewinnen.

Nur wer zeitnah über eine mögliche Ansteckung informiert wird, kann sich selbst vor dem Auftreten erster Symptome in Quarantäne begeben und so die Infektionskette frühzeitig unterbrechen. Die Standortdaten bzw. Kontaktdaten, die Nutzer anonymisiert preisgeben, stehen hier aus meiner Sicht in einer vernünftigen Relation zum positiven Effekt – zumindest solange die 10 Prüfsteine für die Beurteilung von „Contact Tracing“-Apps des Chaos Computerclubs eingehalten werden.

 -> Eine entsprechende App wurde bisher noch nicht in Deutschland veröffentlicht, befindet sich aber in Planung.

 

corona_datenspende_app
Screeshot: Corona-Datenspende.de

 

 

Die Vorteile der Corona Datenspende App

Bei der Corona Datenspende App handelt es sich um eine App, die ihre Daten aus Fitness-Armbändern bezieht und diese nach Postleitzahlen aufgeschlüsselt sammelt. Da sich der Ruhepuls (= aufgrund der erhöhten Temperatur), das Schlaf- und Aktivitätsverhalten im Falle einer Infektion häufig verändern, können Rückschlüsse über die Ausbreitung des Virus in einem bestimmten Gebiet gezogen werden.

Die Daten sind dabei für den Einzelnen zwar nicht wirklich relevant, untersucht man ganze Regionen mit vielen Teilnehmern, sind die Ergebnisse aber laut dieser Studie, die in der Fachzeitschrift The Lancet veröffentlicht wurde, überraschend aussagekräftig. Über einen Zeitraum von 2 Jahren wurden die Sensordaten von über 100.000 Personen in 5 US-Bundesstaaten ausgewertet. Dabei wurde deutlich, dass es mit Hilfe der Fitnesstracker Daten möglich ist, die Influenza Entwicklung in Echtzeit und geografisch verfeinert ohne die bisherige Meldeverzögerung von 1-3 Wochen zu darzustellen.

Solltet ihr also bereits eine Smartwatch oder ein Fitness-Armband verwenden und eure persönlichsten Daten ohnehin mit zahlreichen mehr oder weniger seriösen Konzernen teilen, ist es durchaus sinnvoll, die Datenspende-App zu installieren und auch dem Robert-Koch-Institut Zugriff auf eure Daten zu gewähren.

Der Vorteil: Je mehr Daten dem Robert-Koch-Institut zur Verfügung gestellt werden, desto besser kann das Coronavirus verstanden werden und desto zielgerichteter kann reagiert werden.

 

 

 

Warum ich mich dennoch gegen die Nutzung der Corona App entschieden habe

Ich habe die Vorteile für die Gemeinschaft und meine persönlichen Nachteile durch das Preisgeben meiner Daten abgewogen und mich vorerst (Stand: 09.04.2020) gegen eine Verwendung der Corona Datenspende App entschieden. Auch wenn ich grundsätzlich nichts zu verbergen habe und durch die Nutzung von Google Maps, Whatsapp, Runtastic und der Apple Health App ohnehin schon viele persönliche Daten von mir preisgebe, ist es mir das Thema Datenschutz doch weiterhin wichtig. Eine permanente Aufzeichnung meiner Puls, Bewegungs- und Schlafdaten durch eine Smartwatch oder ein Fitness-Armband fühlt sich für mich nicht richtig an und  kommt zum aktuellen Zeitpunkt nicht in Frage. Was mich sonst noch konkret an der App stört:

 

  • Die gesammelten Daten (gerundetes Alter, Gewicht und Körpergröße, Schlafverhalten, Herzfrequenz, Körpertemperatur, PLZ) sind mir zu persönlich!
  • Es fehlt ein umfängliches Datenschutzkonzept.
  • Der Quellcode der App ist nicht öffentlich. Das heißt: Der Datenschutz kann von unabhängigen aussenstehenden Personen nicht nachvollzogen bzw. bewertet werden. Das stört mich insbesondere deshalb, weil die App von einem    e-Health Startup, in das die Maschmeyer-Investmentgruppe investiert hat, zur Verfügung gestellt wird.
  • Die Erfassung erfolgt nicht anonymisiert, sondern nur pseudonymisiert. Das heißt: Daten könnten also theoretisch über den persönlichen Token zugeordnet werden.

 

Sollte sich meine Einstellung zu diesem Thema in den nächsten Wochen oder Monaten ändern, werde ich diesen Beitrag aktualisieren.

 

 

Mit welchen Geräten ist eine Datenspende möglich?

Falls ihr eure Daten nun trotzdem gerne spenden möchtet und euch fragt, wie ihr sie an das Robert-Koch-Institut übermitteln könnt, möchte ich euch hier die aktuellen Möglichkeiten vorstellen.

Laut der Corona-Datenspenden Website werden aktuell alle über GoogleFit und AppleHealth verbundenen Geräte sowie Geräte von Fitbit, Garmin, Polar und Withings / Nokia unterstützt. Ihr installiert also einfach die Datenspende App auf eurem Smartphone, meldet euch mit eurer Postleitzahl an und schon können die Daten übermittelt werden.

Über den Umweg der Google Fit App soll  wohl auch eine Nutzung mit günstigen Fitness-Armbändern (= Wearables) wie dem Mi Smart Band 4 von Xiaomi Amazon Affiliate Link für ca. 30 € möglich sein. Hierfür öffnet ihr zunächst die Mi Fit App, in der eure Daten normalerweise angezeigt werden. Klickt dann auf Profil -> Konto hinzufügen -> Google Fit. Nun werden die gesammelten Daten importiert.

 

 

So, das war mein Beitrag zum Thema Corona-Apps. Nun interessiert mich wie immer eure Meinung.

Viele Grüße,

 

 

Seriöse Quellen sowie interessante Beiträge zum Thema Corona findet ihr -> hier auf meinem Blog.

 

Ich freue mich, wenn du meinen Beitrag teilst:

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